3. Dezember 2012

Adventskalender Skandinavien #3: Rosettbakkels


Heute öffnen sich gleich zwei Türchen. Eines nach dem anderen? Oder ist es eine Flügeltür? Zwei Adventskalender, zwei Türchen, ein Rezept.

Wir freuen uns sehr, zu Zorras kulinarischem Adventskalender 2012 ein Rezept beitragen zu können. Vielen Dank, liebe Zorra, für dieses Geschänkli! Es ist uns eine große Freude.

Skandinavien, so lautet das Motto unseres Adventskalenders in diesem Jahr. Deshalb stammt auch unsere heutige Köstlichkeit aus dem hohen Norden Europas, wo nicht nur Wild und Fisch das Genießerherz erfreuen. Nein, Süßschnäbel wie wir kommen dort ebenfalls besonders gut auf ihre Kosten.

Plätzchen und Pfefferkuchen, die mit Kardamom, Pfeffer, Ingwer und vielen anderen Gewürzen verfeinert werden, stehen dort zur Weihnachtszeit hoch im Kurs. Mindestens ebenso gern greift man in Norwegen, Schweden und Dänemark bei Schmalzgebäck zu. In Island und Finnland übrigens auch.

Deshalb möchten wir euch heute mit norwegischen Rosettbakkels die Münder wässrig machen, ihr kennt sie vielleicht als Rosettenwaffeln. Das Rezept haben wir in einem Buch gefunden, das wir ursprünglich schon beim Event "Alte Schätzchen" von Dorothée (bushcooks kitchen) und Zorra vorstellen wollten. Dann also jetzt.

Im Sommer haben wir Norwegen bereist und dabei das kleine Bücherdorf Fjærland besucht. (Für Bücherwürmer wie wir ein Muss!) Ausgerechnet am einzigen völlig verregneten Tag unserer Reise. Bemerkenswert deshalb, weil wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren und die Bushaltestelle etwa 3 Kilometer vom Ortseingang entfernt lag. Na ganz toll. Aber bekanntlich gibt es kein falsches Wetter, also Kapuzen unter dem Kinn festgeschnürt und los! Im Gänsemarsch stapften wir auf den Ort zu, beseelt von der Hoffnung, uns in den Antiquariaten an Bücherschätzen erwärmen zu können. Und zu einem Kaffee würden wir auch nicht Nein sagen. Blieb nur noch eine klitzekleine Unsicherheit: Es war Sonntag ...

Wie zwei begossene Pudel kamen wir an und steuerten direkt auf die Touristeninformation des 300-Seelen-Ortes zu. Keine Sorge, alles habe geöffnet. Der Satz war noch nicht zu Ende gesprochen, da standen wir schon im ersten Buchladen und stöberten. So ging es weiter, wir zogen von Antiquariat zu Antiquariat und ergötzten uns an einem Bücherreichtum, der insgesamt hunderte tausende Exemplare umfassen muss. Völlig ermattet landeten wir schließlich in einem kleinen Laden, der neben Büchern auch Kaffee und Kuchen feilbot. Gesättigt und gestärkt nahmen wir uns schließlich auch noch dessen Schatz vor - Koch- und Backbücher in Hülle und Fülle. Plötzlich ein Juchzer. Schokozwerg hielt ein norwegisches Dessertbuch von 1948 in Händen. Und - kaufte es nicht, aller Schwelgerei zum Trotz. Das sollte sich rächen. Ab sofort ging ihr dieses Werk nicht mehr aus dem Kopf. Hätte ich doch! Was bin ich blöd! Daran ist nur der doofe Regen schuld!

Zurück in Berlin, und noch immer drehte sich alles um dieses eine Buch. Was tun? Eines Abends verließ eine fragende Mail den Schokozwergschen Computer und kam in Nullkommanix im Bücherdorf an. Keine Reaktion, tagelang. Naja, wenigstens habe ich es versucht. Eines Abends, pling. Lieber Schokozwerg, wir haben das Buch gefunden, da steht ja quasi dein Name drauf, wohin dürfen wir es schicken? Waaaa! Hierher, hierher! Zwei Wochen später war es schließlich da, hatte Meer und Zoll bestens überstanden. Und aus "Desserter, kaker og konfekt" von Mina Thiis (1948 in Oslo bei Damm & Søn erschienen) sind diese Rosettbakkels das erste von uns nachgebackene Rezept.


Die Zutaten für ungefähr 50 Stück:
150 g Mehl (Type 405) (bei Type 550 weniger Mehl nehmen; im Original 100 g)
250 ml Vollmilch
3 Eier (Größe M)
60 g Zucker
1 kg pflanzliches Schmalz (Schweineschmalz haben wir in unangenehmer Erinnerung behalten)

Mehl sieben und mit der Hälfte der Milch vermengen. Mit einem Schneebesen glattrühren. Dann nach und nach die restliche Milch einrühren. In einer weiteren Schüssel Eier und Zucker verquirlen. Zur Mehl-Milch-Mischung geben und gut einarbeiten, es sollen keine Klümpchen übrig bleiben.

Das Pflanzenschmalz in einem großen Topf schmelzen und erhitzen. Einen Teller mit Küchenkrepp bereitstellen und einen Schaumlöffel bereitlegen. Besonderes Utensil ist das Rosettenwaffeleisen. Die am Stiel angeschraubte Rosette wird nun für zwei, drei Minuten in das heiße Schmalz getaucht und vorgewärmt. Danach kurz auf einem Stück Krepp abtropfen, und los geht's.


Das Rosetteneisen nur bis an den Rand in den Teig tauchen.


Herausnehmen. Der Teig endet kurz unter dem Rand und tropft nicht (sonst noch etwas Mehl zugeben).


In dem erhitzten Schmalz vollständig untertauchen.


Achtung, es kann ein wenig spritzen. Eventuell die Temperatur reduzieren, falls die Rosettbakkels zu braun werden. Einen Moment getaucht halten, dann an die Schmalzoberfläche heben.


Das Schmalzgebäck rutscht vom Rosettenwaffeleisen. Mit dem Schaumlöffel umdrehen.


Danach sofort herausnehmen und auf dem Küchenkrepp ablegen.


So backt sich Rosette für Rosette. Das Waffeleisen kann direkt vom Topf in den Teig wandern. Am besten schmecken die Rosettbakkels direkt nach dem Ausbacken, ihr könnt sie bequem im Ofen warmhalten. Mit Puderzucker bestäuben und genießen.


Für die Rosettenwaffeleisen gibt es übrigens verschiedene Formen. Neben der typischen Rosette haben wir noch eine Sternform benutzt. Auch sehr apart.


Na, tropft es schon in euren Mündern?


Zu guter Letzt ein Blick in das Buch, so sieht übrigens das Rezept aus:


Wir schlecken uns jeden Finger einzeln ab und liebäugeln schon mit dem nächsten Rosettbakkel. Blume oder Stern? Beide?

Einen guten Start in eine neue, genießerische Woche wünschen euch die beiden Süßen

und

Kommentare:

  1. Wo bekomme ich jetzt so ein Eisen her? :(

    Das ist ja fast ein bisschen gemein.

    Ich kann mir vorstellen wie gut das schmeckt!!

    Euch auch eine süße Woche

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  2. Ohhhh, die sind ja schön! Ich hätte auch gerne so ein Eisen. Wo kriegt man das her?

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  3. @Sybille und Wilde Henne: Ich habe das Eisen früher oft auf Flohmärkten bewundert, ohne zu wissen, wozu man das überhaupt braucht. Gekauft habe ich es schließlich beim großen Fluss A***** ;)

    @Noctua: Das Auge möchte ja auch gut speisen ;)

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  4. Die sind wirklich hübsch. Das Waffeleisen kenne ich - mit so etwas hat meine Mutter früher tatsächlich Waffeln gebacken. Da muss ich sie doch mal fragen, ob sie das noch hat.....

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  5. das sind ja herrliche Hingucker = wunderschön; und lecker sicher noch obendrein!

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  6. Was für eine schöne wie originelle Idee!
    Bleibt nur, dass ich euch fürs kommende Jahr wieder auf einer Reise sehen will - mit lauter soooo tollen Mitbringseln :)

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  7. Was für hübsches Gebäck. Wenn auch nicht gerade von der leichten Sorte. Aber dafür sind die Skandinavier nunmal nicht bekannt ;-) Sieht wirklich sehr schön aus. Ein hübsches 3. Türchen!

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  8. sieht gut aus und schmeckt sicher prima - Danke für dieses Rezept

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  9. Habe ueber den Kulinarischen adventskalender hierhergefunden. Sieht super lecker aus!

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  10. Ich weiss , dass mir das schmecken würde....und wie! Sieht das köstlich aus!

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  11. Wunderschön! Die Sterne vor allem. Jetzt frage ich mich allerdings, wo ihr die norwegischen Sprachkenntnisse hernehmt... :-o

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  12. heidenei, und wieder steht eine Köstlichkeit auf dem Tisch, toll!

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  13. Die Dinger sind der Hammer - kann mir gut vorstellen, wie lecker die schmecken!

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  14. Klasse! Bisher habe ich mich ja immer noch erfolgreich vor dem Kauf eines Rosenkucheneisens gedrückt - wie lange halte ich noch durch?

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  15. oh wie wunderschön und speziell. die eisen kenne ich noch von meiner omi, weiß leider nicht wo diese abgeblieben sind. herzliche grüße, daniela

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  16. Das ist ja stark! Hatte ich bisher noch nie gesehen. Danke für das schöne Türchen!!!!!

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  17. Die Eisen habe ich vor etlichen Jahren auf einem kleinen Adventsmarkt "in action" gesehen und sind mir sehr in Erinnerung geblieben- tolle originelle Idee mit der euch immer ein Star-Auftritt sicher ist, bestimmt!

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  18. Du bist schuld, das mein Wunschzettel jetzt noch länger ist ;-)Rosetteneisen steht jetzt ganz oben drauf!

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  19. ziemlich tolles gebäck! so frittiersachen sind immer schwieriger als sie aussehen.

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  20. @magentratzerl: das solltest Du unbedingt tun, bevor es auf dem Flohmarkt neugierige Besucher ins Grübeln versetzt ;)

    @Eva: mit ein wenig Puderzucker bestäubt noch viel zarter und aparter! Und auch im Geschmack ganz fein.

    @grain de sel: mindestens eine Reise, hoffe ich! Frankreich soll auch wieder anstehen, hm, was meinste?

    @Julia: danke! Die Skandinavier können nicht nur fett und schwer, und für Optik haben sie immer etwas übrig.

    @anonym: gern geschehen! :)

    @Lotti.: Willkommen bei uns! Wir hoffen, wir können Dich noch ganz oft verführen ;)

    @pimpimella: da bin ich mir auch ganz sicher! :D

    @multikulinaria: ha! Die eine hat Norwegisch gelernt, die andere liest und versteht es so ganz gut.

    @Gaby: wart's ab, wir führen Dich noch ganz oft in Versuchung ;) :)

    @schwiegermutterinklusive: in Dubai ist es gerade sicher viel zu warm für Schmalzgebäck?! Oder?

    @Petra: ich würde sagen, nicht mehr lange! Schon gekauft?? Und ich habe eine weitere Bezeichnung für das Gerät gelernt, vielen Dank! :)

    @daniela: da würde ich an Deiner Stelle jetzt nachforschen, von so einem alten Waffeleisen träume ich jetzt insgeheim ein wenig! :)

    @Kochblogger: vielen Dank! Schmalzgebäck kann wirklich sehr hübsch aussehen, hätte ich vorher auch nie glauben mögen.

    @ninivepisces: Wenn nur die Frittiererei nicht so eine triefende und geruchsintensive Angelegenheit wäre :/ Aber spektakulär auf jeden Fall :)

    @Anna S.: Vielen Dank! :)

    @Stefanie: och, das freut mich sogar sehr! :P :)

    @Nysa: Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt. Als wir merkten, wie wenig Übung man brauchte, flutschte die Rosettbakkelsproduktion!



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  21. Was das Buch angeht, fällt mir ein Zitat aus "das Leben des Brian" ein: "Da haben wir aber Schwein gehabt!" (nach Brians Flug durchs All mit den Ausserirdischen). Da wäre Dir - und uns anderen - aber wirklich einiges entgangen, hätte nicht das Glück es gut gemeint!
    Solch Gebäck gibt es hier unten meines Wissens nicht, dafür gibt es "Küchla", die auch ausgebacken werden, allerdings dürften die etwas größer sein als Eure Rosetten-Leckereien und weniger knusprig sein. Sieht auf jeden Fall lecker aus! Alles Liebe, Hexle

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    1. Den Film muss ich unbedingt mal wieder ansehen!
      Meinste nicht, so etwas gibt es auch im Fränkischen? Unter anderem Namen? Dann musst Du doch wirklich mal wieder nach B. kommen (hattest Du das nicht vor?), und wir frittieren uns welche. Liebe Grüße!

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    2. Es gibt einiges an ausgebackenem Gebäck, Feuerspootzn, Knieküchle, aber das sind eher Krapfen/Berliner. Ich werde noch mal herumfragen, aber diese Zubereitung habe ich noch nicht gesehen. Vergiß aber nicht, ich stamme nicht aus einer waschechten fränkischen Familie, ich habe Migrationshintergrund, wie eine Kollegin so schön gesagt hat...
      Ich habe aber gestern in Nürnberg im traditionellen Küchenbedarf-Laden Küchen-Lösch die Formen für Rosettbakkels gesehen - es scheinen zum Teil echte skandinavische gewesen zu sein. Zumindest bei dem einen waren die Rezepte auf der Rückseite auf finnisch und schwedisch!
      Ich konnte das Leben des Brian mal fast auswendig...
      Hm. Ist das eine Einladung, Schokozwerg?
      Liebe Grüße Hexle

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  22. Ich bin für den Stern, erinnert mich an einen Eiskristall. Wunderschön!

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  23. Das wäre auch für die alten Schätzchen ein wunderbarer Beitrag gewesen und so freue ich mich, daß ich die schöne Geschichte jetzt im Adventskalender lesen kann.

    Diese Dinger sind aber auch sowas von verführerisch :-)

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  24. wow, die schauen grandios aus!

    ich fahre nächsten sommer wieder in den hohen norden & freu mich schon wahnsinnig darauf.

    eine schöne adventzeit!

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  25. Wow! Mehr fällt mir da grad nicht ein...

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  26. @zorra: dann haben wir hier gerade ganz viele dieser Sterne vor der Tür ... ;)

    @bushcook: hatte es leider zum Event nicht schaffen können, aller Ankündigung zum Trotz.

    @zwergenprinzessin: Dir auch eine schöne Vorweihnachtszeit! Wir überlegen auch schon ...

    @dottikocht: :D danke!

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  27. Ohja, ich kenne die runde Form auch aus der Kindheit. Habe mich nur noch nie getraut, nach ihr zu fragen, denn in Fett gebackenes ist bei meinen Eltern mehr als out ...

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